40 Jahre lang lebte ich mit Migräne. Ich hatte von meinen
Hausärzten und Neurologen gelernt: Die Migräne ist vererbt,
chronisch und nicht heilbar.
Ich müsse eben mit der Hilfe von Akutmedikamenten
(Triptane) damit leben.
Die Migräne kehrte aber nach Behandlungen regelmässig mit
erhöhter Kadenz zurück. In den letzten fünf Jahren hatte ich
fast jeden Tag Migräne, zuletzt alle 15-20 Stunden. Ich nahm
deshalb nicht nur die erlaubten maximal 15 Triptane pro Monat,
sondern bis zu 40 Triptane pro Monat.
Im Frühjahr 2026 erzählte mir Tabea vom Podcast «So Long
Covid».
Mein erster Gedanke war: Mit mir hat das nichts zu tun, ich
habe ja nicht Long Covid.
Ich leitete den Podcast sogar an eine Bekannte weiter, die an
Long Covid erkrankt war, ohne ihn selbst anzuhören. Erst als
sie mir von guten Fortschritten berichtete und auch ein
anderer Bekannter den Podcast als sehr hilfreich bezeichnete,
hörte ich mir zwei Folgen an.
Da machte es bei mir Klick. Zum ersten Mal bekam ich
eine Erklärung dafür, dass bei chronischen Beschwerden auch
gelernte Alarmmuster des Gehirns eine Rolle spielen können.
Und dass man darauf Einfluss nehmen kann. Diese Information
hat meinen bisherigen Umgang mit 40 Jahren Migräne grundlegend
verändert. Zum ersten Mal im Leben hatte ich eine konkrete
Strategie in der Hand, die mich überzeugte.
Am 15. Mai 2026 um 4 Uhr morgens, nach einer erneuten
Migräne-Attacke, entschied ich: «Jetzt reicht's! Ich
mache einen kalten Medikamentenentzug.» 18 Wochen später hatte
ich kein einziges Triptan mehr genommen. Kopfschmerzen traten
zwar weiterhin alle zwei bis vier Tage auf, lösten sich aber
meistens mit Atemübungen und anderen Techniken innert ein bis
zwei Stunden wieder auf. Die Idee, ein Triptan zu konsumieren,
wie ich es früher schon längst gemacht hätte, kam mir nicht
mal in den Sinn.
«So Long Covid» ist aus Janns eigener Genesungsgeschichte
entstanden. Er und seine Partnerin und Journalistin, Zita
Bauer, machten daraus nach intensiver Recherche mit
Betroffenen und Fachleuten einen sechsteiligen Podcast. Für
mich war der Podcast weit mehr als eine interessante
Geschichte.
Er gab mir im richtigen Moment die entscheidende neue
Information und damit den Mut, einen anderen Weg
einzuschlagen.
Danke, Zita und Jann!